aus dem Kontext …

Mir geht es, wie so vielen: Oft stolpere ich über Sätze, die ich festgehalten will. Hier haben sie ab jetzt ihren Platz. Wie sie mir unter die Nase kommen. Kommentiert oder unkommentiert. Poetisch, albern und trist wie das Leben …

  1. „Offiziell bin ich also in einem Tief. Das scheint mir eine glückliche Formulierung zu sein. Nicht, dass ich mich sehr niedrig fühlen würde; es ist eher die Welt um mich herum, die mir so hoch vorkommt.“ (Michel Houellebecq – Ausweitung der Kampfzone/1994)/ Mitte Zwanzig habe ich von diesem Buch Alpträume bekommen. Jetzt hat es mir zwar stellenweise noch immer die Luft abgeschnürt, aber zwischendurch musste ich auch lachen. Das gibt mir zu denken.
  2. „I can’t even touch the books you’ve read“ (Bob Dylan – Idiot Wind/1974)/ Vermutlich albern, hier mit Dylan anzufangen. Aber warum nicht. „Blood on the Tracks“ ist so ein Album, bei dem man sich wünscht, auf der Stelle verlassen zu werden. Eigentlich ein schönes Thema für eine Liste: Alben, bei denen man sich wünscht, verlassen zu werden. Mache ich bei Gelegenheit. 
  3. „Ein Engel überreicht dem Teufel einen großen Plan. Der setzt die Brille auf und schaut ihn eine Ewigkeit an. Und dann zischt er, nachdem er das Gesicht verzog: Das ist kein Plan, das ist ein Poster von Kylie Minogue.“ (Funny van Dannen – Billige Räusche/2003)/ Vermutlich sogar noch alberner, mit Funny van Dannen anzufangen. Andererseits: Mir tun seine Texte immer leid, weil sie so wenige Freunde haben.
  4. „Sage nie: So soll’s geschehen! Öffne dir ein Hinterpförtchen durch „vielleicht“, das nette Wörtchen, oder sag: Ich will mal sehen!“ (Wilhelm Busch/zw. 1859 u. 1908)
  5. „Dieses na ja, wenn man das nicht hätte.“ (Erich Kästner/zw. 1927 u. 1974)
  6. „Der Standardbegriff lautet Zunehmende Verspannung.“ (David Foster Wallace – Unendlicher Spass/1996)/ Immer wenn einer fragt, welches Zitat der Weltliteratur man sich in den Nacken tätowieren würde und Bartlebys „I prefer not to“ schon vergeben ist, versuche ich damit zu punkten.
  7. „Sozialhygiene geht noch vor Mundhygiene.“ (Jörg Fauser – Der Strand der Städte. Blues für Blondinen/zw. 1959 u. 1987)
  8. „Christus ist längst weggeschlossen. Statt Wundern gibt es Valium.“ (Jörg Fauser – Der Strand der Städte. Blues für Blondinen/ zw. 1959 u. 1987)
  9. „And then I confess, that I tortured the dress, that you wore for the world to look through.“ (Leonard Cohen – One of us cannot be wrong/1967)/ Die Reihe mit Dylan und van Dannen ließe sich hier fortsetzen. Aber wenn man den Anspruch auf Vollständigkeit ersteinmal in den Wind geschossen hat, macht das eigentlich Spaß.
  10. „They wanna think you spent your whole life vomiting every time a boy came near you“ (das sagt eine gewisse Eloise über Männer im Allgemeinen)(J.D. Salinger – Uncle Wiggily in Connecticut/ zw. 1948 u. 1953)
  11. „Es sah aus, als enthielte es einen Gegenstand von ungefähr der Größe des Hope-Diamanten oder einer Klistierspritze.“ (J.D. Salinger – Franny and Zooey/ 1961)/ In den Gegensatz zwischen dem Hope-Diamanten und der Klistierspritze passen Welten. Der mythische Stein und ein Stück Plastik, das das Zeug hat, den abgeklärtesten Zeitgenossen den Appetit zu verderben … 
  12. „Es war ganz richtig, mit voller Geschwindigkeit in die Wüste hineinzufahren und keine Spuren zu hinterlassen.“ (Paul Bowles – Himmel über der Wüste/ 1949)
  13. „Daß man Produziertes verbrauchen soll und daher arbeiten muß, um überhaupt konsumieren zu dürfen, das ganze Zeug, das sie eigentlich gar nicht haben wollten, wie Kühlschränke, Fernsehapparate, Wagen, zumindest neue Wagen zum Angeben, bestimmte Haaröle und Parfüms und lauter solcher Kram, den man schließlich immer eine Woche später auf dem Mist wiederfindet“ (Jack Kerouac – Gammler, Zen und Hohe Berge/ 1958)/ Kerouac greift hier auf, was Thoreau in Walden über hundert Jahre früher schon wesentlich geschwätziger zu Papier gebracht hat, und was Irvine Welsh gut dreißig Jahre später auf den Punkt bringt:
  14. “Choose a life. Choose a job. Choose a career. Choose a family. Choose a fucking big television. Choose washing machines, cars, compact disc players and electrical tin openers… Choose DSY and wondering who the fuck you are on a Sunday morning. Choose sitting on that couch watching mind-numbing, spirit crushing game shows, stucking junk food into your mouth. Choose rotting away in the end of it all, pishing your last in a miserable home, nothing more than an embarrassment to the selfish, fucked up brats you spawned to replace yourself, choose your future. Choose life… But why would I want to do a thing like that?” (Irvine Welsh – Trainspotting/ 1993)/ Wenn es in meinem Leben einen prägenden Kinomoment gab, dann war das 1996 dieser Monolog in den ersten Minuten von Trainspotting. Alles, was ich bis dahin vage gefühlt hatte, war darin ausgedrückt. Der Film muss dringend auf die Liste von Hamids Filmklub …
  15. „Und es wurde Lots Frau natürlich gesagt, sie solle nicht dorthin zurückschauen, wo alle diese Leute und ihre Wohnungen gewesen waren. Aber sie tat es doch, und dafür liebe ich sie, denn es war so menschlich. Also wurde sie in eine Salzsäule verwandelt. So geht das.“ (Kurt Vonnegut – Schlachthof 5/ 1969)/ und passend dazu:
  16. „Ich sah mich um, und wie Lots Frau gab mir das den Rest.“ (Jack Kerouac – Gammler, Zen und Hohe Berge/ 1958)
  17. “Wenn man denkt, dass dieses verflachste pfannkuchenfressende Exkrement einen guten Posten kriegen kann, sagte er schließlich, und ich muss billige Zigaretten rauchen!” (James Joyce – Ein Portrait des Künstlers als junger Mann/ 1916)/ Hier Joyce anzuführen, ist eigentlich Namedropping reinsten Wassers. Tatsächlich habe ich den Roman nicht zu Ende gelesen. Er hat mich kalt gelassen. Ich bin nie in die Welt hinter den Worten vorgedrungen. Dieses Zitat, in dem eine künstlerisch ambitionierte Nebenfigur sich über einen angepassten Kommilitonen äußert, taugt mir allerdings sehr und passt außerdem gut in eine Reihe mit Kerouacs Künstlerromanen, die ebenfalls oft Frust und Neid thematisieren, und vor allem mit Jack Londons „Martin Eden“.
  18. „Es gab viel subtilere Formen des Rückzugs aus der Welt der Literaturvermarktung, als in Afrika nach Gold zu suchen.“ (Jörg Fauser — Rohstoff/ 1983)/ Hierzu siehe auch Es läuft nicht so … Darbende Schriftsteller über darbende Schriftsteller.
  19. „In diesem Sommer waren Drogen billiger als Bücher, es sei denn, man schrieb sie selbst.“ (ebd.)/ Hierzu siehe auch Es läuft nicht so … Darbende Schriftsteller über darbende Schriftsteller.
  20. „Ich hielt es für nützlicher, ein paar Bücher wirklich gut zu kennen, als ein paar tausend gelesen zu haben, von denen man doch nur vage Erinnerungen mit sich herumschleppte.“ (ebd.)/ Dieser Hunger nach mehr, mehr, mehr wird von der Literaturbranche natürlich angeheizt. Aber es lohnt sich, Bücher, die Eindruck gemacht haben, immer mal wieder hervorzukramen und den Eindruck aufzufrischen. Zweit- und drittklassige Epigonen haben dann kaum eine Chance. Ich bin zum Beispiel überzeugt, dass es für Der grössere Teil der Welt von Jennifer Egan keinen Pulitzer-Preis gegeben hätte, wenn die verantwortlichen Juroren Rosamunde Pilcher und den Denver-Clan präsent gehabt hätten.
  21. „Wenn du nicht sagst, was du auf dem Herzen hast, wozu dann überhaupt schreiben?“ (Jack Kerouac — Die Verblendung des Duluoz/ 1967)
  22. „Es wurde mir plötzlich klar, daß wir alle verrückt waren und daß wir uns um nichts zu kümmern hatten, außer um die nächste Mahlzeit und das nächste Schläfchen.“ (ebd.)
  23. „Da wurde mir klar, daß entweder ich verrückt war oder die Welt. Und ich tippte auf die Welt. Und natürlich hatte ich recht.“ (ebd.)/ Hierzu siehe auch Es läuft nicht so … Darbende Schriftsteller über darbende Schriftsteller.
  24. „Was kümmert es die fünftausend hämisch grinsenden College-Professoren, die Schriftstellerei unterrichten, daß ich nach einer einsamen Jugend siebzehn Romane geschrieben habe, […] am Fenster, das nachts einen Stern sehen ließ, am Schlafzimmer-Fenster, am Fenster des billigen möblierten Zimmers, am Fenster der Irrenstation, am Fenster des Bullauges, schließlich am Fenster des Gefängnisses? Ich sah den kleinen, gewundenen Feldweg, der nach Westen führte, hin zu meinem verlorenen Traum, ein richtiger amerikanischer Mann zu sein …“ (ebd.)/ Hierzu siehe auch Es läuft nicht so … Darbende Schriftsteller über darbende Schriftsteller.
  25. „Eigentlich wollte man ja gar nicht arbeiten, man wollte ja Kunst machen, und über die Typen mit ihrem Arbeitsbegriff hatten wir immer gelacht, wir wollten spielen und nicht arbeiten, wenn wir hätten arbeiten wollen, wären wir ja keine Künstler geworden, so hatten wir das damals gesehen.“ (Sven Regener — Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt; 2013; S. 307)/ Bei Tageslicht betrachtet eine relativ banale Einsicht. Regener ging damit schon vor Jahren in Interviews hausieren. Nur dass es mir genausso geht und ich immer daran denke, wenn Leute lamentieren, weil sie mit ihrer Kunst nicht genug oder kein Geld verdienen. Zu verlangen, dass einem jemand den Rücken freihält, ist viel verlangt. Was nicht heißen soll, dass Geld kein Problem ist.
  26. „Ich glaube nicht an diesen Unsinn mit der Zeit. Zeit ist etwas ganz Normales, sie ist wie das Wasser für den Fisch. Jeder schwimmt in diesem Wasser, niemand kommt raus, oder wenn einer rauskommt, passiert ihm das gleiche wie dem Fisch: Er stirbt. Sie wissen doch, wie’s zugeht in diesem Wasser, genannt Zeit. Die großen Fische fressen die kleinen Fische, und der Ozean kümmert sich überhaupt nicht darum.“ „O nein“, sagte ich, „das glaube ich nun wieder nicht. Die Zeit ist heißes Wasser, und wir sind keine Fische, und jeder kann wählen, ob er gefressen werden will, und auch, ob er […] die kleinen Fische nicht fressen will.“ (James Baldwin — Giovannis Zimmer; 1956; S. 42 f)/ In Bezug auf Das hier ist Wasser, Konrad: Die fantastische Madame Psychosis aus Unendlicher Spass hat ihre Radiosendung Madame Psychosis Hour monatelang Downerliteraturstunde genannt und darin ein deprimierendes Buch nach dem anderen vorgelesen. Eines davon war Giovannis Zimmer. Man kann also davon ausgehen, dass David Foster Wallace auch mit Baldwins Fischparabeln vertraut war. Nicht dass das wichtig wäre, aber man kann seine Zeit auch mit blöderen Beobachtungen verbraten.
  27. „Menschen, die sich für willensstarke Herren ihres Geschicks halten, können diesen Glauben nur bewahren, wenn sie zu Spezialisten der Selbsttäuschung werden. Ihre Entscheidungen sind in Wirklichkeit gar keine Entscheidungen — eine echte Entscheidung macht einen demütig, man weiß, daß sie von ungezählten Einflüssen abhängig ist —, es sind vielmehr kunstvoll ausgekügelte Systeme, dem Endgültigen geschickt auszuweichen, Illusionen, dazu bestimmt, die Welt und sich selbst als das erscheinen zu lassen, was sie nicht sind.“ (ebd.; S. 27)/ siehe Nr. 26.
  28. „Jeder, der lange genug lebt, verirrt sich irgendwann. Man kommt vom Weg ab, und eines Morgens wacht man auf und stellt fest, dass man sich verirrt hat. Das ist eine unumstößliche Wahrheit. Sollte es dir noch nicht passiert sein, kannst du dich glücklich schätzen. Wenn es so weit ist, wenn du dich eines Tages umblickst und nichts wiedererkennst, wenn du dich allein in einem dunklen Wald verirrt hast, kommt es dir vielleicht einfacher vor, jemand anderem die Schuld zu geben — einem geliebten Menschen, der dich verlassen hat, einem fehlenden Vater, einer schlimmen Kindheit. Aber vielleicht fällt es dir leichter, alles auf deine Landkarte zu schieben — zu oft zusammengefaltet, veraltet, die Schrift zu klein. Du kannst die Faust drohend zum Himmel erheben und das Ganze Schicksal, Karma, Pech nennen, und manchmal stimmt das auch. Aber wenn du ehrlich bist, musst du zugeben, dass meistens nur du die Schuld trägst.“ (Nick Flynn — Das Ticken ist die Bombe; 2009; S. 10)/ Ein Kommentar der Neuköllner Botschaft hat mich an diese Episode aus einem fantastischen Buch über Vaterschaft in Zeiten von Abu-Ghraib erinnert. Ich kann es Schicksal, Karma, Zufall nennen, dass es sich so gut an die vorherigen Zitate anfügt, und weil es schon wieder um Kerouac ging, würde ich in diesem Moment dem Karma den Vorzug geben.
  29. „Man muß aber unter der Sonne doch auf irgend einem Esel reiten und so sattle ich in Gottes Namen den meinigen […].“ (Georg Büchner — Brief an August Stoeber; 1833)/ Am Zitatewühltisch IV: Nach Dylan, van Dannen und Cohen jetzt der verbrieft frühvollendete Georg Büchner — Wenn man in der Münchner Ausgabe nicht gerade im Anhang landet, kann man eigentlich auf jeder Seite Perlen herauslösen. Aber vielleicht ist das, als würde man den größten und klarsten Diamanten zerschlagen, um an kleinere Diamanten zu kommen. It’s evolution baby.
  30. „Selbst ein Leben voller Fallgruben, ein Leben, das nur aus Warten besteht, ist besser als gar kein Leben.“ (Driss ben Hamed Charadi — Ein Leben voller Fallgruben)
  31. „Bei Tisch durfte man sich nur mit Essen beschäftigen, Du aber […] reinigtest mit dem Zahnstocher die Ohren.“ (Franz Kafka — Brief an den Vater; 1919)/ Ein aus Warschau emigrierter Amerikaner mit dem Namen Leo Gerstenzang erfand 1923 das Wattestäbchen. Vermutlich nachdem er zugeschaut hatte, wie seine Frau Baumwollknäuel an Zahnstochern befestigte, um sich damit die Ohren zu putzen. Zahnstocher haben bereits die Neandertaler und andere Ur-Menschen benutzt. Oft wurden dafür Holz- oder Knochenstücke hergenommen, aber sie wurden auch früh nur zu diesem Zweck geschaffen, aus Walrossborsten beispielsweise, oder aus Edelmetallen. Die erste Zahnstochermaschine wurde 1869 von Charles Forster entwickelt. Während der Zahnstocher im Zusammenhang mit Cocktails und Fingerfood eine zweite Karriere hingelegt hat, kann man Wattestäbchen auf Buffets mit gutem Gewissen als No-Go bezeichnen. So it goes.
  32. „Die Frau sprach davon, sich zu erhängen; der Mann trug bequeme Kleidung.“ (Michel Houellebecq – Die Welt als Supermarkt; 1998)/ Schleichend bin ich in den letzten Wochen zum Houellebecq-Fan geworden. Der erste Schriftsteller meiner Epoche, der zielsicher auf die Dinge zu sprechen kommt, die mich umtreiben. Manchmal bewusst, viel öfter aber als durchs Unbewusste stromerndes Unbehagen. Mit diesem Satz eröffnet er eine Skizze mit dem Titel „Großstadtkomödie“, als Romananfang würde er ebenfalls funktionieren. Ich könnte aus dem lediglich 98 Seiten umfassenden Band 103 Sätze zitieren. Tragikkomische Sätze, wie der, den ich angeführt habe, wahre Sätze über Literatur und Gesellschaft (also über alles), und jede Menge poetische Sätze, die Reich-Ranickis Behauptung, Houellebecq würde Thesenromane schreiben, den Wind aus den Segeln nehmen.
  33. „Sofern nämlich kapitalistische Ökonomie Schicksal geworden ist, sofern Gewinnerwartung und ökonomisches Wachstum zur Hoffnung auf einen Restbestand an irdischer Providenz gehören, kann auch moderne Finanztheorie der Rätselfrage nicht ausweichen, […] wie die bestehende ökonomische Welt die beste aller möglichen sein kann.“ (Joseph Vogl – Das Gespenst des Kapitals)
  34. „Wahrscheinlich ist es für Menschen, die in einem bestimmten sozialen System gelebt und es zu etwas gebracht haben, unmöglich, sich in die Perspektive solcher zu versetzen, die von diesem System nie etwas zu erwarten hatten und einigermaßen unerschrocken auf seine Zerstörung hinarbeiten.“ (Michel Houellebecq – Unterwerfung; 2015; S. 48)/ Monatelang war ich zwischen Büchern herumgeschlichen, ohne einen Weg zu Ende zu gehen. Ich bin ganz froh um solche Phasen, weil sie mir vor Augen führen, dass Lesen keine fixe Größe in meinem Leben ist. Houellebecq schafft es immer wieder, Dinge glasklar zur Verhandlung zu bringen, die mich im Ungefähren umtreiben.
  35. „Im Kloster gab es zumindest ein Dach über dem Kopf und eine Mahlzeit – und das ewige Leben im besten Fall noch dazu.“ (ebd.; S. 88)/ Joker.
  36. „[…] dann käme er eines Tages wieder hierher, höchstwahrscheinlich uneingeladen, untersuchte natürlich zuerst die Örtlichkeit, […] packte dann diese gleiche Klara und klopfte mit ihr das kleine Kanapee aus, auf das sie ihn heute geworfen hatte.“ (Franz Kafka – Amerika; S. 64)/ Ich vermute, es liegen zwanzig Jahre zwischen Amerika und meinem letzten Kafka-Roman Das Schloss. Nach dem Franzosen, der sich längst in seine eigene Welt verabschiedet hat und aus der Distanz eiskalt unsere Gegenwart seziert, inszeniert Kafka Lesen als eigenständiges, von der Wirklichkeit entkoppeltes Erlebnis. 
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