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König Salinger I — Ein einziges richtiges Buch

J.D. Salinger

J.D. Salinger in seinem blauen Overall inmitten unveröffentlichter Manuskripte (Collage unter Verwendung des Posters von “Breaking Bad”)/ © 2014 Konrad Geyer

J.D. Salingers Rückzug aus dem Literaturbetrieb ist einer der grossen Mythen des Zwanzigsten Jahrhunderts. So groß, dass er in der öffentlichen Wahrnehmung Salingers Werk oft überschattet. Er wird kaum als der Großmeister der literarischen Postmoderne wahrgenommen, der er ist, sondern vor allem als Schöpfer von The Catcher in the Rye. Und dafür wird er bisweilen reichlich kleingeredet. Den Rest des Beitrags lesen »

Ich bekenne, ich habe getrollt I: Arno Schmidt — Zettels Albtraum

"Unnützes Herz"/ © 2014 teresacortez.com

“Unnützes Herz”/ © 2014 teresacortez.com

Zu meiner Schwäche für Kommentarstränge unter Amazon-Rezensionen habe ich mich bereits an anderer Stelle bekannt. Beim Häuten der Zwiebel sind dazu nun noch ein paar Erinnerungen mehr an die Oberfläche meines Bewusstseins getrieben: Meine Beteiligung beschränkt sich nicht immer auf ein paar launige Bemerkungen im allgemeinen Getümmel. Wenn der Köder appetitlich genug ist, gebe ich einiges dran, ihn vom Haken zu bekommen. Wahrscheinlich, weil ich so oft mit meinen Worten allein bin und es ab und zu gut tut, direkt mit jemandem in Kontakt zu treten, und Vorlagen zu verwandeln oder ins Aus zu schießen. Ein besonders fetter Köder war dieses Schmuckstück unbestechlicher Laienkritik. Es lohnt sich nicht, den Text hier zu paraphrasieren. Er ist in seiner Gesamtheit ein wunderbares Lehrstück darüber, was passiert, wenn jemand der viel Wert darauf legt, mit beiden Beinen im Leben zu stehen, mit einem kompromisslosen Kunstwerk kollidiert: Den Rest des Beitrags lesen »

Das hier ist Wasser, Konrad

Es ist ein bisschen her, dass ich Hamid Das hier ist Wasser gegeben habe. Ich war davon ausgegangen, er würde tatsächlich innerhalb kürzester Zeit Deutsch lernen und inhaltlich ein wenig hinterherhecheln. Was für eine Arroganz. Er verschwand nach unserer Fotosession mit seinem neuen Buch, und als ich drei Wochen später danach fragte, behauptete er, den gesamten Text auf Deutsch und Englisch aus dem Gedächtnis zitieren und einfache Unterhaltungen in meiner Muttersprache führen zu können. Das wollte ich genauer wissen. Ich bot ihm zu trinken an. Weil er noch einiges an Post in der Tasche hatte, schlug er meine Einladung aus, versprach aber wiederzukommen, wenn er damit fertig war. Den Rest des Beitrags lesen »

Dann ist die reine Stille der absolute Krach

Im Frühsommer 2012 habe ich mich in meinem Ducato-Camper (BJ 1986) auf den Weg nach Marokko gemacht. Knapp 3700 Kilometer, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 80 Kilometern in der Stunde, bei einem Lärmpegel wie auf Startbahn 1 in London-Heathrow. Bis Madrid hielt mich ein junger Mitfahrer mit Geschichten aus seinem gebrochenen Herzen bei Laune. Keine davon war besonders überraschend, aber er trug sie so leidenschaftlich vor, dass ich ihm gerne zuhörte. Am vierten Tag der Reise wollte ich bis Algeciras kommen, um von dort am Morgen die erste Fähre nach Tanger zu nehmen. Ich kam in Madrid erst spät los und steckte zweieinhalb Stunden im Transitstau fest. Die flimmernde Hitze, die sich allmählich über der iberischen Halbinsel breitmachte, setzte mir zu. Als der Abend dämmerte hatte ich noch gut 200 km vor mir. Ich konnte die Augen kaum noch offen halten. Ich hatte Kopfschmerzen vom Knattern des Dieselmotors und vom Poltern des Fahrtwinds. Ich beschloss, den Feind mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Den Rest des Beitrags lesen »

Es läuft nicht so … Darbende Schriftsteller über darbende Schriftsteller

Symposium darbender Schriftsteller 1

(v.l.n.r.) Jack London, Jack Kerouac, Jörg Fauser und Paul Auster beim “1. Symposium darbender Schriftsteller”; November 2013 in Sidi Ifni/Marokko

Obwohl ich Bücher über Schriftsteller nicht mag, habe ich unter der Markise vor meinem heißen Wagen zuletzt vier Bücher gelesen, in denen es vor allem um Schriftsteller ging. Es waren ziemlich realistische Bücher. Keine Schreibtische mit Blick über die Brookyn-Bridge, keine weißen Blätter, die mit Bedacht in Schreibmaschinen gewalzt werden, keine Ebenholzpfeifen und keine seidenen Bademäntel. Statt dessen Verlegenheitsjobs, Schreibklos, unbeantwortete Manuskripteinsendungen und unbezahlte Rechnungen. Der Plot ist in den Grundzügen immer derselbe: Jemand kämpft darum, Schriftsteller zu sein, beziehungsweise, in seinem Leben reichlich Zeit zum Schreiben zu haben, und es läuft nicht so … Den Rest des Beitrags lesen »

Burkhard Spinnen vs. Jack Kerouac. Oder: Tage der deutschsprachigen Literatur 2013 – Die Jury in der Einzelkritik – Teil 3

Kerouac verpasst Spinnen einen langen Haken mit Rechts (Collage unter Verwendung eines Filmstills aus Martin Scorcece, "Raging Bull")

Kerouac verpasst Spinnen einen langen Haken mit der Rechten (Collage unter Verwendung eines Filmstills aus Martin Scorsese, “Raging Bull”/ © 2013 Konrad Geyer)

Burkhard Spinnen (hat Zé do Rock und Nadine Kegele eingeladen):

Zu keinem Jurymitglied ist mir vergangenes Jahr so wenig eingefallen, wie zu ihm. Dabei führte Spinnen damals eine interessante Diskussion. Im Zusammenhang mit Leopold Federmairs Aki sagte er, Jack Kerouac würde immer nur behaupten, irre Typen würden irre Sachen machen, aber nie beschreiben, was genau sie tun. “Wir lagen auf dem Bett und redeten über alles Mögliche” nannte er als Beispiel und erntete dafür reichlich Gelächter. Den Rest des Beitrags lesen »

Tage der deutschsprachigen Literatur 2013 – Die Jury in der Einzelkritik – Teil 2

Zwischen Paul Jandl und Meike Feßmann sitzt eigentlich der altehrwürdige Jurypräsident Burkhard Spinnen, aber bevor ich mich um den kümmere, muss ich noch mal Luft holen. Zuerst also Feßmann: Den Rest des Beitrags lesen »

Tage der deutschsprachigen Literatur 2013 – Die Jury in der Einzelkritik – Teil 1

Riff

Auch im zweiten Jahr meines Blogs wollte ich die Klagenfurter Jury einer Einzelkritik unterziehen. Aber dann schleppte Hamid mir wenige Tage vor dem Startschuss einen Frankfurter Versicherungsbroker in der Sinnkrise an. Auf der Suche nach einer intelligenten Reisebegleitung, die seiner Muttersprache mächtig war, hatte er sich an einen von Hamids Großcousins gewandt. Er war denkbar unsympathisch, aber er zahlte gut. Die elf Tage an seiner Seite riefen mir in Erinnerung, wie anstrengend Gesellschaft sein kann. Ich kam aber auch in den Genuss eines Geländewagentrips ins Herz der Sahara. Ich durfte in diversen Hotels nächtigen und Restaurants speisen, die ich mir sonst nie hätte leisten können. Und ich kann meinem Wüstenschreibcamp einige Bonusmonate anhängen.

Die Filmchen aus Klagenfurt konnte ich jedoch nur zwischen Tür und Angel schauen, und wenn der Herr Versicherungsbroker plötzlich in meinem Rücken stand, musste ich mir einiges anhören: Verschwendung von Lebenszeit und Steuergeldern; null Relevanz; dieser ganze verklemmte Literatur-Verein sollte einen Ausflug in eine Swinger-Therme nach Budapest machen, zu der er gute Beziehungen unterhält … Deshalb musste ich das Ende der Reise abwarten, den Kölnisch-Wasser-Duft aus meinen Kleidern waschen, mich gründlich ausruhen und dann eine zweitägige Session im Internetcafe einlegen. Aber jetzt bin ich so weit. Wieder frei nach Huck Finns “ain’t […] no better book than what your face is”. Heuer von Rechts nach Links. Los geht es mit dem Neuzugang … Den Rest des Beitrags lesen »

Das hier ist Wasser, Hamid

Hamid I

Konrad Geyer und Briefträger Hamid bedanken sich herzlich bei Kiepenheuer & Witsch. Früher, als ich das der La Poste Maroc zugetraut hätte, brachte Hamid mir den Kölner Spasspacken. Schon seit einiger Zeit bleibt er bei mir stehen, während ich meine Post inspizierte. Anfangs hat mich seine schamlose Neugier irritiert. Oft bringt er mir doch eher persönliche Sachen, böse Briefe von meiner Frau zum Beispiel. Den Rest des Beitrags lesen »

Die Unendlichkeit reklamiert

Unendlicher Spass

Jeden Februar wird Köln vom Karneval auf den Kopf gestellt. Ich war noch nie beim Karneval und werde es vermutlich auch nie sein, aber es geht dabei um Spass, das weiß jeder. Um Spass und Köln geht es auch hier. Den Spass repräsentiert ein unpassenderweise anstrengendes Buch – “Unendlicher Spass” von David Foster Wallace. Köln repräsentiert der Verlag, der dieses Buch auf Deutsch und in einer sagenhaft schönen Ausgabe veröffentlicht hat: Kiepenheuer & Witsch. Ich habe Kiepenheuers Herstellungsabteilung eine Mail geschrieben, die für sich selber spricht:  Den Rest des Beitrags lesen »

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