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Freigeister

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 If you’ve lost your faith in love and music

the end won’t be long

Because if it’s gone for you then I too may lose it

And that would be wrong

(Libertines/The good old days)

Mitte Sommer 2014. Ich stehe vor der von einem Telekommunikationsanbieter gesponsterte Hauptbühne eines Festivals vor den Toren Lissabons. Direkt dahinter begegnen sich Tejo und Atlantik. Die Sonne ist schon eine Weile untergegangen. Es bläst ein frischer Wind aus Osten. Ich bin auf dem Weg zurück nach Deutschland und warte hier auf die Rückkehr zweier Helden aus dem Abspann meiner Jugend Den Rest des Beitrags lesen »

Kamikaze-Deluxe-Tour

Und schon läuft er. Er denkt, er würde seinen Ambitionen folgen, aber in Wirklichkeit treiben sie ihn vor sich her… Aus dieser Perspektive ist zumindest der Name der Tour nicht schlecht gewählt…

Kamikaze-Deluxe-Tour

Debütroman

                     Außen so, innen mehr Buchstaben.

Außen so, innen mehr Buchstaben.

Hamid hat mich neulich gefragt, worauf ich mit meinem Getue [sic] eigentlich hinauswill. Mindestens aufs Ganze, habe ich geantwortet. Nun ist meine Ehe gescheitert, meine Kinder hinterfragen bereits vor ihrer Pubertät meinen Heldenstatus und der Verlag, in dem mein erster Roman erscheint, liegt mir seit einiger Zeit damit in den Ohren, dass ich an meinem Image arbeiten muss – auf Fotos auch mal lächeln, die Haare waschen, vielleicht ein paar Kilo abnehmen, solche Dinge. Aber wenn ich lächle sehe ich aus, als würde ich weinen, meine Haare sind von ihrer Grundsubstanz her ölig, und das Hüftgold ist in meinem Alter auch nicht mehr so leicht loszuwerden. Als ich dann neulich in Lissabon eine jüngere, bessere, hoffnungsfrohere Version meiner selbst getroffen habe, die nicht die Hälfte ihres Erwachsenenlebens damit verschwendet hat, in einer mittelfränkischen Häuslesbauerkolonie nach einem akzeptablen Lebensentwurf zu suchen, zögerte ich nicht und überzeugte Wolf Schmid, dass nichts dabei ist, wenn er sein Gesicht, seinen Körper, seinen Namen und seine Biografie dem Autoren meines Buches überlässt. Der Teufel hat mir versprochen, dass meine Ambitionen damit hinter einem anderen her sind. Zu schön um wahr zu sein…

Vorkritik der Klagenfurter 7

Mehr Wasser

Der marokkanische Himmel war die Tage vor meiner Abreise ungewohnt dunkel. Ich habe mich in den seit Wochen brüllenden Nordwind gestellt und gründlich darunter gelitten, dass weder Spinnen noch eines der übrigen 6 Jurymitglieder mich zu den Tagen der deutschsprachigen Literatur 2014 eingeladen hat. Ich behaupte, das Intensivitätsspektrum der menschlichen Gefühle ist beschränkt. Das soll heißen, das größere Drama fühlt sich nicht unbedingt schlimmer an, als das kleinere. Schlimm ist schlimm und manchmal ist es eben schlimmer. Den Rest des Beitrags lesen »

Ouvertüre zur Vorkritik der Klagenfurter 7

Wasser

Mein Ducato ist bereit für die Fahrt in den Norden. Mustafa III Junior hat eine Woche lang geflext und geschweißt und dem Wagen ein Blau verpasst, das gerade dunkel genug ist, dass man es nicht Babyblau nennen kann und trotzdem so hell, dass der Innenraum unter der Sonne Nordafrikas und Südeuropas nicht zum Backofen wird. Den Rest des Beitrags lesen »

König Salinger I — Ein einziges richtiges Buch

J.D. Salinger

J.D. Salinger in seinem blauen Overall inmitten unveröffentlichter Manuskripte (Collage unter Verwendung des Posters von “Breaking Bad”)/ © 2014 Konrad Geyer

J.D. Salingers Rückzug aus dem Literaturbetrieb ist einer der grossen Mythen des Zwanzigsten Jahrhunderts. So groß, dass er in der öffentlichen Wahrnehmung Salingers Werk oft überschattet. Er wird kaum als der Großmeister der literarischen Postmoderne wahrgenommen, der er ist, sondern vor allem als Schöpfer von The Catcher in the Rye. Und dafür wird er bisweilen reichlich kleingeredet. Den Rest des Beitrags lesen »

Ich bekenne, ich habe getrollt I: Arno Schmidt — Zettels Albtraum

"Unnützes Herz"/ © 2014 teresacortez.com

“Unnützes Herz”/ © 2014 teresacortez.com

Zu meiner Schwäche für Kommentarstränge unter Amazon-Rezensionen habe ich mich bereits an anderer Stelle bekannt. Beim Häuten der Zwiebel sind dazu nun noch ein paar Erinnerungen mehr an die Oberfläche meines Bewusstseins getrieben: Meine Beteiligung beschränkt sich nicht immer auf ein paar launige Bemerkungen im allgemeinen Getümmel. Wenn der Köder appetitlich genug ist, gebe ich einiges dran, ihn vom Haken zu bekommen. Wahrscheinlich, weil ich so oft mit meinen Worten allein bin und es ab und zu gut tut, direkt mit jemandem in Kontakt zu treten, und Vorlagen zu verwandeln oder ins Aus zu schießen. Ein besonders fetter Köder war dieses Schmuckstück unbestechlicher Laienkritik. Es lohnt sich nicht, den Text hier zu paraphrasieren. Er ist in seiner Gesamtheit ein wunderbares Lehrstück darüber, was passiert, wenn jemand der viel Wert darauf legt, mit beiden Beinen im Leben zu stehen, mit einem kompromisslosen Kunstwerk kollidiert: Den Rest des Beitrags lesen »

Das hier ist Wasser, Konrad

Es ist ein bisschen her, dass ich Hamid Das hier ist Wasser gegeben habe. Ich war davon ausgegangen, er würde tatsächlich innerhalb kürzester Zeit Deutsch lernen und inhaltlich ein wenig hinterherhecheln. Was für eine Arroganz. Er verschwand nach unserer Fotosession mit seinem neuen Buch, und als ich drei Wochen später danach fragte, behauptete er, den gesamten Text auf Deutsch und Englisch aus dem Gedächtnis zitieren und einfache Unterhaltungen in meiner Muttersprache führen zu können. Das wollte ich genauer wissen. Ich bot ihm zu trinken an. Weil er noch einiges an Post in der Tasche hatte, schlug er meine Einladung aus, versprach aber wiederzukommen, wenn er damit fertig war. Den Rest des Beitrags lesen »

Dann ist die reine Stille der absolute Krach

Im Frühsommer 2012 habe ich mich in meinem Ducato-Camper (BJ 1986) auf den Weg nach Marokko gemacht. Knapp 3700 Kilometer, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 80 Kilometern in der Stunde, bei einem Lärmpegel wie auf Startbahn 1 in London-Heathrow. Bis Madrid hielt mich ein junger Mitfahrer mit Geschichten aus seinem gebrochenen Herzen bei Laune. Keine davon war besonders überraschend, aber er trug sie so leidenschaftlich vor, dass ich ihm gerne zuhörte. Am vierten Tag der Reise wollte ich bis Algeciras kommen, um von dort am Morgen die erste Fähre nach Tanger zu nehmen. Ich kam in Madrid erst spät los und steckte zweieinhalb Stunden im Transitstau fest. Die flimmernde Hitze, die sich allmählich über der iberischen Halbinsel breitmachte, setzte mir zu. Als der Abend dämmerte hatte ich noch gut 200 km vor mir. Ich konnte die Augen kaum noch offen halten. Ich hatte Kopfschmerzen vom Knattern des Dieselmotors und vom Poltern des Fahrtwinds. Ich beschloss, den Feind mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Den Rest des Beitrags lesen »

Es läuft nicht so … Darbende Schriftsteller über darbende Schriftsteller

Symposium darbender Schriftsteller 1

(v.l.n.r.) Jack London, Jack Kerouac, Jörg Fauser und Paul Auster beim “1. Symposium darbender Schriftsteller”; November 2013 in Sidi Ifni/Marokko

Obwohl ich Bücher über Schriftsteller nicht mag, habe ich unter der Markise vor meinem heißen Wagen zuletzt vier Bücher gelesen, in denen es vor allem um Schriftsteller ging. Es waren ziemlich realistische Bücher. Keine Schreibtische mit Blick über die Brookyn-Bridge, keine weißen Blätter, die mit Bedacht in Schreibmaschinen gewalzt werden, keine Ebenholzpfeifen und keine seidenen Bademäntel. Statt dessen Verlegenheitsjobs, Schreibklos, unbeantwortete Manuskripteinsendungen und unbezahlte Rechnungen. Der Plot ist in den Grundzügen immer derselbe: Jemand kämpft darum, Schriftsteller zu sein, beziehungsweise, in seinem Leben reichlich Zeit zum Schreiben zu haben, und es läuft nicht so … Den Rest des Beitrags lesen »

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